Virtual Reality dringt in die Produktentwicklung vor

Wie in echt, aber ohne Risiko: Virtuelle Realität spart beim Produkt-Designen und Techniker-Trainieren wertvolle Ressourcen – und zündet den Turbo für den Fortschritt. Ein Interview mit Andreas Koch, IT-Analyst Virtual Reality.

Beim Begriff „Virtual Reality“ denken viele erst mal an die Google-Brille oder an Playstations. Was hat VR mit Windenergieanlagen zu tun?

Die VR-Technologie stammt zwar aus dem Unterhaltungsbereich, entwickelt sich aber rasant zu einem Werkzeug in der Industrie. Sie entfaltet immer mehr Potential für ernsthafte Anwendungen. Bei Senvion konzentrieren wir uns derzeit auf die Bereiche Technisches Training und Produktentwicklung.

Was genau bringt VR im Technischen Training?

Da tun sich völlig neue Trainingsmöglichkeiten und -methoden auf. Etliche unserer Trainings für Servicetechniker oder WEA-Betreiber werden wir damit unabhängig von Ort und Equipment durchführen können – an virtuellen Anlagen statt an echten im Trainingszentrum. Trainer und Teilnehmer können dabei tausende Kilometer voneinander entfernt sein. Wir gewinnen enorme Flexibilität. Und können neue Potentiale nutzen, bei gleichzeitiger Risiko-Reduzierung für Trainer und Teilnehmer. VR erlaubt uns, unsere Service-Techniker intensiv an Produkten zu schulen, noch bevor diese auf dem Markt sind.

Und was kann VR in der Produktentwicklung leisten?

Virtual Reality ist ein Teilbereich der virtuellen Produktentwicklung.  Durch schnelle Visualisierung und freie Interaktion kann man damit die Designfindung unterstützen, Ergonomie- und Montageuntersuchungen durchführen sowie Entwicklungsstände frühzeitiger wie effizienter untersuchen.

Andreas Koch IT-Analyst Virtual Reality
Mit Virtual Reality können unsere Ingenieure ihre Konstruktionen „live“ erleben, noch bevor sie real existieren!

Was heißt das konkret?

Stichwort „virtueller Prototyp“: Warum nicht schon das neue Turbinen-Design virtuell untersuchen und analysieren, bevor wir Prototypen aus Stahl bauen? Mit Virtual Reality können unsere Ingenieure ihre Konstruktionen „live“ erleben noch bevor sie real existieren. Dabei geht es auch um Einbau- und Arbeitsraumuntersuchungen: Kann ich in einer komplexen Gondelkonstruktion den Luftfilter problemlos wechseln? Wie gut kann ich Verschraubungen mit meinem Werkzeug erreichen? All das lässt sich in einer virtuellen Anlage bequem simulieren – mit nie zuvor erreichter Realitätsnähe. Komplexe Konstruktionen lassen sich plötzlich „erleben“ – selbst wenn es sie noch gar nicht gibt. Fehler lassen sich so bereits vor ihrer Entstehung deutlich leichter entdecken. Das spart Nerven, Geld und Zeit.

Wie gelangt man in Ihre virtuellen Anlagen?

Ganz einfach: Man setzt sich eine Videobrille auf, nimmt zwei Controller in die Hand – ähnlich wie Joysticks an der Spielkonsole – und schon befindet man sich in einer virtuellen Anlage. Man kann sich rundherum umschauen, bewegen und virtuell interagieren. Diese Interaktion unterscheidet eine „richtige“ VR von den weit verbreiteten 360-Grad-Videos. Jeder, der es einmal in unserem VR-Lab im Techcenter Osterrönfeld ausprobiert hat, beschreibt ein intensives Mittendrin-Gefühl. Unsere Ingenieure sagen, dass es in einer virtuellen Gondel das gleiche ist, wie in einer realen.

Und wie erschaffen Sie die virtuellen Welten?

Basis für alles  sind Daten aus der Produktentwicklung. Wir greifen die Daten direkt aus den 3-D-Konstruktionen unserer Ingenieure ab – und bereiten sie visuell so auf, dass eine „echte“ virtuelle Windkraftanlage entsteht.

Sehen Sie die Zukunft großteils virtuell?

Es wird in den nächsten Jahren weitere erhebliche Fortschritte geben. Was heute utopisch klingt, wird schon morgen machbar sein. Den Einsatz von VR will Senvion intensiv ausbauen – wir sind hier ganz vorne mit dabei. Auch im intensiven Dialog mit anderen Unternehmen fahren wir unseren Kurs Richtung Zukunft.